brütende Trauerseeschwalbe

Trauerseeschwalbe auf Schwimminselnest

Eine der charakteristischen Vogelarten einer Marschenlandschaft, wie Eiderstedt, ist bzw. war die Trauerseeschwalbe.

Eine amselgroße Mövenart. Schiefergraues Körpergefieder mit schwarzem Kopf. Sie ist unauffällig, bewegt sich schnell und elegant, jagt Insekten und Wassertiere vom Fisch bis zur Kaulquappe.
Jeder Landwirt oder naturverbundene Mensch kannte diesen Vogel, der, näherte man sich seiner Brutkolonie,  beherzt angriff. Diese Attacken führten über direkte Schnabel- und Flügelhiebe bis zum Beschmutzen mit Kot.

Leider sind diese Erlebnisse sehr selten geworden.
Gab es Anfang der 70ger Jahre noch an die 800 Brutpaare auf Eiderstedt, so waren es 2015 nur noch 18 Brutpaare.

Wer ist diese Trauerseeschwalbe?

Die Trauerseeschwalbe ist ein typischer Zugvogel. Je nach Witterung erscheint sie Ende April in unseren Breiten nach einem Flug von mehreren 1000 km. Ihre Route geht von Westafrika an der Atlantikküste, an der iberischen Halbinsel, der französischen und englischen Küste entlang bis in unsere Breiten. Hier angekommen beginnt sie in wenigen Tagen mit ihrem Brutgeschäft. Denn sie hat nicht viel Zeit. Anfang August müssen ihre Küken schon flugfähig sein. Denn dann verlassen  Alt- und Jungvögel wieder das Binnenland und begeben sich bereits wieder an die Küste, um die Reise nach Afrika ins Winterquartier anzutreten.

Was ist bei uns geschehen? Warum sind ihre Bestände so dramatisch eingebrochen?

Trauerseeschwalben

Trauerseeschwalben

Nur wenige, fast unbeachtete Maßnahmen haben die Trauerseeschwalben auf Eiderstedt an den Rand des Aussterbens gebracht:

Anfang der 70ger Jahre stellten viele Landwirte die Weidemast mit ruhigen Ochsen ein. Diese Art der Weidehaltung rentierte sich nicht mehr.  Stattdessen wurden Bullen gehalten. Diese waren zwar aggressiver aber auch schnellwüchsiger und sicherten dadurch ein besseres Einkommen.

Jetzt waren aber andere Haltungsformen erforderlich.

Die Parzellengräben reichten als Begrenzung der Weiden und Wiesen nicht mehr aus und wurden durch Elektro-Zäune zusätzlich gesichert. Dies hatte zur Folge, daß das Grabensystem vernachlässigt wurde. Gräben wurden oftmals trockengelegt, z.T. verfüllt, verlandeten oder wuchsen mit Schilf zu.

Die auf der Fläche grasenden Rinder und Schafe konnten aus den Gräben kein Wasser mehr saufen und mußten ihren Durst an  den Tränkekuhlen löschen.

Die Nester der Trauerseeschwalben, die zu 99 % bis dahin im Uferbereich dieser Tränkekuhlen  zu finden waren, wurden jetzt allzu oft durch die unruhigen Bullen zertreten.

Was geschah mit der Nahrung der Trauerseeschwalben?

Die Trauerseeschwalbe jagt gerne auf Grünlandflächen Insekten aller Art. Durch immer früheres Mähen kommen die Pflanzen nicht mehr zum Blühen und es werden dadurch keine Insekten mehr angelockt.  Die vernachlässigten Gräben führen kein Wasser mehr und verschilfen. Auch hier findet die Trauerseeschwalbe keine Nahrung mehr.

In der Aufzuchtphase ist die Trauerseeschwalbe jedoch auf kleine Fische als Nahrung mit hohem Calciumgehalt für ihre Küken angewiesen. Die Küken brauchen nur 20 Tage vom Schlüpfen bis zum Fliegen. Sollte die Nahrung während dieser Zeit nicht optimal sein, so verkümmern die Küken und sterben.

Wie kann der Trauerseeschwalbe geholfen werden?

Schwimminseln für Trauerseeschwalben

Schwimminseln für Trauerseeschwalben

Seit 1989 werden von Claus Ivens und einer kleinen Gruppe aktiver Helfer (vom NABU) künstliche Schwimminseln als Brutunterklage in die Mitte der Tränkekuhlen ausgelegt. Dort sind die Nester vor Trittschäden der Rinder und vor Prädatoren geschützt. Auch wurden Elektrozäune abgebaut und Parzellengräben durch Baggerarbeiten geöffnet. Flächen mit Vertragsnaturschutz sorgen durch einen späteren Schnittzeitpunkt für blütenreiches Grünland.

Ob alle diese Anstrengungen letztendlich ein Aussterben dieser Vogelart auf Eiderstedt verhindern werden ist fraglich.

Eine Kombination aus breiten ganzjährig wasserführenden Gräben, blütenreichen Weiden ohne Zäune und ruhigem Weidevieh wäre ein Schlüssel zum Artenreichtum von Flora und Fauna der Eiderstedter Landschaft.

Die Trauerseeschwalbe ist zum Leitbild des Naturschutzes auf Eiderstedt geworden. Sie ist der Indikator für einen einmaligen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Setzen wir uns alle im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür ein!

Downloads:
1) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2010, PDF) Download >>
2) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2011, PDF) Download >>
3) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2012, PDF) Download >>
4) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2013, PDF) Download >>
5) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2014, PDF) Download >>
6) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2015, PDF) Download >>
7) Bestandsstützung der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt durch Erhöhung der Nahrungsbasis (2016, PDF) Download >>