Westerhever Leuchtturm

Westerhever Leuchtturm

Der Verein „Weideland Eiderstedt e.V.“ ist tätig auf der Halbinsel Eiderstedt und setzt sich ein für den Schutz des Dauergrünlandes, für die Natur und für die Biodiversität. Er fordert und fördert naturschonende Bewirtschaftungsweisen.

Saftig grüne von unzähligen Wasserläufen und Gräben durchzogene Weiden, grasende Schafe und Rinder, Dörfer mit prächtigen Kirchen und mächtigen Einzelgehöften, z.T. auf Warften gelegen, umgeben von alten Baumbeständen, das Wattenmeer in Riechweite, lautes Rufen von Kiebitzen, Austernfischern und Uferschnepfen im Frühjahr und riesige Vogelschwärme am herbstlichen Himmel, das ist unverkennbar Eiderstedt.

Wo liegt Eiderstedt?

Die Halbinsel Eiderstedt liegt an der Westküste Schleswig-Holsteins und ragt ca. 30 km in die Nordsee,  den Nationalpark Wattenmeer.

Sie ist ca. 30.000 ha groß. Davon 16.000 ha Dauergrünland und 14.000 ha Ackerland. Das Ackerland befindet sich überwiegend in den neuen Kögen.

Im Norden wird Eiderstedt begrenzt durch den Heverstrom, im Westen von der Nordsee und im Süden durch die Eider. Schon aus der geographischen Lage und aufgrund der relativ extensiven Bewirtschaftung des Landes, durchzogen von 5.000 km süßwasserführenden Gräben, liegt hier ein Paradies für Wiesenvögel aber auch für wandernde Vogelarten. Beeindruckend sind auch im Winterhalbjahr die über 100.000 Gänse (Weißwangen-, Bläß- und Ringelgänse) die ihre Energiereserven auf Eiderstedter Weiden auffüllen.

Wie kann man ein so bedeutendes Gebiet schützen und erhalten?

Weideland Eiderstedt

Weideland Eiderstedt

Eiderstedt gilt als das größte zusammenhängende Weidemastgebiet Norddeutschlands. Schon im 18. 19. Jahrhundert (1850-1880) waren die schweren Shorthorn-Ochsen von den Eiderstedter Fettviehweiden als Schlachtvieh von der Bevölkerung der Kohlenreviere Englands gefragt. Es wurden neben 30.000 Schafen bis zu 60.000 Rinder lebend über den Tönninger Hafen dorthin verschifft.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges aber war der Strukturwandel in der Landwirtschaft auch auf Eiderstedt nicht aufzuhalten. Anfang der 1970er Jahre wurde die Weidemast mit Ochsen mehr und mehr eingestellt und es kamen die wesentlich aggressiveren aber auch wüchsigeren Bullen auf die Weiden. Da diese Tiere mit den natürlichen Gräben als Grenzen nicht auf den Flächen zu halten waren, wurden E-Zäune gezogen. Das Vieh hatte keinen Zutritt mehr zu den Gräben. Die Grabenböschungen konnten nicht mehr beweidet werden. Dadurch verschilften die Gräben und verlandeten schließlich. Auch spielte die Wasserführung in den Grabensystemen keine Rolle mehr. Eine schleichende Entwertung des Landschaftsbildes war die Folge.

Anfang der 1980er Jahre nahm auch die Politik zur Kenntnis, dass ganze Landschaftsräume entwertet wurden und verloren zu gehen drohten.

Ein Beispiel: In einem gut mit Süßwasser gefüllten Graben leben 85 – 90 verschiedene Wasserlebewesen. In einem entwässerten Graben leben nur 3 – 5 Schneckenarten.

Hier zeigt sich deutlich der unschätzbare Wert eines intakten, dicht verzweigten Graben- und Kuhlensystems, wie auf Eiderstedt teilweise noch vorhanden.

Eine Maßnahme des Landwirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein zur Erhaltung oder Wiederherstellung des alten Landschaftsbildes war 1985 das Angebot an Landwirte in Form des Vertragsnaturschutzes auf freiwilliger Basis. Diese Verträge sollten durch Einfluss auf die Bewirtschaftung der Grünlandflächen die Biodiversität fördern und durch eine angemessene Entschädigung eine Akzeptanz bei den Landwirten erreichen. Auch sollte die auf Eiderstedt noch vorhandene Kleinstrukturierung der Betriebe unterstützt werden, um eine vielschichtige Bewirtschaftung zu garantieren.

Nonnengänse

Nonnengänse

Bis heute werden die Vertragsnaturschutz-Verträge in modifizierter Form angeboten. Aktuell werden 6.500 ha nach den Auflagen solcher Verträge bewirtschaftet. Wir müssen dennoch erkennen, dass trotz aller Bemühungen die eingeleiteten Maßnahmen nicht ausreichen, denn die Vogel-Monitoring-Zahlen zeigen einen dramatischen Rückgang der Wiesenvogelbestände. Allein der Bestand der Trauerseeschwalben (Die Trauerseeschwalbe ist ein Indikator für einen intakten Feuchtlebensraum wie die Marsch) sank bis heute auf unter 20 Brutpaare. Anfang der 1970er Jahre gab es auf Eiderstedt 800 Brutpaare. Anderen Vogelarten erging es ähnlich.

Anfang 2000 mehrten sich Stimmen, Teile auf Eiderstedt zu einem Vogelschutzgebiet zu erklären. Naturschutzverbände forderten mindestens 13.000 ha der alten Marsch unter Schutz zu stellen. Es folgten Demonstrationen unglaublichen Ausmaßes von Seiten sowohl der Landwirte als auch von Teilen der übrigen Bevölkerung. Politisch konnte man eine großflächige Ausweisung nicht durchsetzen und so wurden lediglich 2.700 ha unter Schutz gestellt. Die EU war mit dieser geringen Fläche nicht einverstanden und so musste die Landesregierung 2008 in einer 2. Tranche weitere Flächen nachmelden. Heute ist das Europäische Vogelschutzgebiet auf Eiderstedt insgesamt 6.700 ha groß und besteht aus 3 Teilbereichen (Kotzenbüll – Poppenbüll – Westerhever). Zusätzlich wurden die sich im staatlichen Besitz befindenden Ländereien an der Eider (Katinger Watt und Oldensworter Vorland) zu Landschaftsschutzgebieten erklärt.

Zukunftsaussichten:

Alle Bemühungen werden aber nur dann Erfolg haben, wenn diese von den Einwohner Eiderstedts getragen werden.

Die Wertschöpfung in der Region hat sich bereits verändert. War früher die Landwirtschaft an erster Stelle, so ist es heute der Tourismus.

Anziehungspunkte für Urlauber sind u.a.

  • Der weite Horizont, (fast)ohne Windmühlen
  • Grüne Wiesen mit grasendem Vieh und
  • Natur pur

 

Um dieses Landschaftsbild mit bäuerlichen Betriebsformen zu erhalten und gleichzeitig die Vielfalt in der Eiderstedter Kultur-/ Naturlandschaft zu fördern müssen viele Mosaiksteine zusammengefügt werden, z.B. Vertragsnaturschutz, Grabenräumprogramme und eine effektive Wasserbewirtschaftung des Süßwassergrabensystems.

Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, kann es gelingen, dieses Kleinod an Schleswig-Holsteins Westküste zu erhalten.